Natürlich wünscht sich die PWG Neukirchen ein eigenes Gemeindehaus für ihren Ortsteil. Wer wollte das nicht? Ein Treffpunkt, ein Zentrum des Miteinanders, ein Symbol für Zusammenhalt. So weit, so nachvollziehbar. Weniger nachvollziehbar wird es allerdings dort, wo derselbe Gemeinschaftsgedanke offenbar an der eigenen Gemarkungsgrenze endet.
Denn während man in Neukirchen gerne von Solidarität und gleichwertigen Lebensverhältnissen spricht, stößt genau dieses Prinzip auf entschiedene Ablehnung, sobald es um mögliche Ausgleichsflächen für Baugebiete geht, die vielleicht irgendwann einmal in Unter- oder Oberlauter entstehen könnten. Solidarität ja – aber bitte nur, solange sie nichts kostet. Oder besser: solange sie nur den eigenen Ortsteil betrifft. Dabei sollte man meinen, das Kirchturmdenken gehöre längst der Vergangenheit an. Zumindest im Gemeinderat Lautertal hat es eigentlich nichts mehr zu suchen. Die Gemeinde ist mehr als die Summe ihrer Ortsteile, und Gemeindepolitik sollte sich am Ganzen orientieren, nicht am eigenen Gartenzaun. Ein Blick in die jüngere Vergangenheit könnte zudem zur Bescheidenheit mahnen. Was haben die Bürgerinnen und Bürger aus Unter- und Oberlauter eigentlich davon, dass die Bergstraße mit erheblichem finanziellem Aufwand saniert wurde? Vermutlich wenig – außer der Erkenntnis, dass Investitionen manchmal eben dort getätigt werden, wo sie gebraucht werden, auch wenn nicht jeder unmittelbar profitiert. Wer im Glashaus sitzt, sollte bekanntlich nicht mit Steinen werfen. Wer ein Gemeindehaus fordert, aber jede Form von Ausgleich kategorisch ablehnt, liefert unfreiwillig ein Lehrstück darüber, wie Gemeinschaftssinn nicht funktioniert. Auf diese Weise auf Stimmenfang zu gehen, mag kurzfristig Applaus bringen – zeugt aber langfristig eher von Provinzdenken als von verantwortungsvoller Gemeindepolitik.